Sicheres Arbeiten von VERLAG FÜR HANDBÜCHER

Performance, Video, Betriebsanleitungen, Handbücherei 2019

Der Verlag für Handbücher setzt die Sammlung von Handbüchern und den Aufbau der Handbücherei in Obertrum fort. Die Handbücherei beherbergt die Sammlung der Handbücher und stellt Lese- und Ausagiervorrichtungen zur Verfügung. Als begehbare Installation besteht sie aus einem modularen System mit folgenden Komponenten: Aufbewahrungs- und Kategorisierungssystem, Performancefläche, Arbeitsplatz für einen Handbuchbibliothekar, Arbeitsbekleidung, Vorrichtungen zur performativen Untersuchung der Anleitungen, sowie mehrere integrierte Monitore auf welchen Videos von Bewegungsabläufen zu sehen sind.

 

Neu eintreffende Anleitungen werden kategorisiert und in die Installation eingefügt. Dabei wird ein eigens entwickeltes Klassifizierungssystem verwendet, das die Bedienungsanleitungen nach Art der vorgeschlagenen Körperbewegung einordnet. Ein Handbuchbibliothekar wird dafür gelegentlich in der Handbücherei arbeiten. Dies geschieht ohne Ankündigung. Während seiner Arbeitszeit steht der Bibliothekar für die Besucher auch für Fragen zur Verfügung. Des weiteren entsteht mit dem Wachsen der Bibliothek die dramaturgische Abteilung eines Theaters der Bedienbarkeit. Hier werden die gesammelten

Diagramme aus den Bedienungsanleitungen als Formationen oder choreographische

Notationen untersucht; Anweisungen zur Fehlerbehebung auf ihre Tauglichkeit als Regieanweisungen getestet und auch sonstige Bestandteile aufgefundener Gebrauchsliteratur für die Bühne aufbereitet. In diesem Zusammenhang enstehen choreographische Ausführungsclips die in die Monitore eingespeist werden.

Wir arbeiten mit Büchern und Aufführungen, oder vielmehr mit Handbüchern und Ausführungen. Beides entsteht gleichzeitig. Das Handbuch ist Protokoll und Erinnerung, Analyse und Entwurf des Vollzuges. Wir arbeiten mit Künstlern, die sich aus Ihrer konkreten Praxis und spezifischen künstlerischen ‚Expertise‘ heraus mit den Rhetoriken des Handbuches auseinandersetzen.

Das zentrale, weil zeitgenössisch wichtigste Vorbild für diese Rhetoriken stellt die Betriebsanleitung. Sie macht sich schon alleine dadurch verdächtig, dass niemand sie haben möchte. Weder streitet sich jemand darum ihr Autor zu sein, noch wird sie in Bibliotheken aufgenommen und von Gestaltung kann man kaum reden. Die literarische Formenlehre bietet ihr wenn überhaupt eine schmuddelige Ecke im Konglomerat der Non-fiktion, in dem sich sonst u.a. die Reportage, der wissenschaftliche oder bürokratische Text zusammengewürfelt finden.

Wir konzentrieren uns auf das Handbuch als Schnittstellenfunktion zwischen Text und Handlung, das In-der-Hand, ein In-der-Welt, das von den Formen des Handelns nicht nur erzählt sondern auch eine konkrete Handlung emp- und befiehlt.

 

Verlag für Handbücher

Der Verlag für Handbücher wurde 2014 von Anna Romanenko, Björn Kühn und Oliver Kraft in Stuttgart gegründet. Als Stadt der Ingenieure, Hochburg des Technikfetisches und Leuchtturm der protestantischen Ethik scheint dieser Gründungsort nicht allzu zufällig. Das ständig präsente Mandat der Effizienz und die Deutungshoheit realpolitischen Zwangsverhaltens tragen ihr Übriges zum Umfeld bei. Der Verlag stellt darin ein Labor des Funktionierens dar, der Analyse seines Versprechens und der Strategien seiner Darlegung.

www.verlagfürhandbücher.de