the question is: who cares? von HANS-JÜRGEN POËTZ

partizipative Text-Raum-Intervention 2017–2019
öffentlicher Raum, Twitter, Projektion, Performance, Postkasten

 

Vormals für viele „undenkbar“ ist heute für alle Realität. Junge Menschen lernen ineiner mit 280 Zeichen (Tweetlänge) kommentierten Bilder ut eine Gegenwart kennen,die nicht Kultur und Geist, sondern Terror als verbindendes Merkmal von Weltstädten erlebt, die Ignoranz in höchsten politischen Ämtern als populäre Strategie akzeptiert und die einen europäischen Basar über Fluchtbewegungen ebenso beobachtet wie das begleitende Erstarken rechtsextremer und rassistischer Bewegungen.

Täglich werden tausendfach Menschenrechte verletzt, dauerhaft oder durch plötzliche Katastrophen, in großen Gemeinschaften wie auch im Einzelschicksal. Wir kennen die Bilder, wir kennen die Gründe – nur nicht die Lösung. Allerorts sind die zu bohrenden Bretter sehr hart und diejenigen, die sich dafür zuständig fühlen, wenige. Kunst vermag hier mit sinnlichen Nachdenkereignissen ein Verweilen im Sog der gesellschaftlichen Geschwindigkeit anzuregen, das Fremde miteinander teilen, ehe sie es mit Freunden sharen. So schafft das vorgestellte Projekt einen gemeinsamen Raum durch die allgemeine Ansprache ans plötzliche Publikum.

„The Question Is: Who Cares?“ ist ein Apell ans öffentliche Bewußtsein, ein Gedankenexperiment, um die Wahrnehmung zu schärfen und neue ‚Antennen’ für unsere Umgebung zu entwickeln – oder wie John Cage sagte: We already have so many answers, the key is to ask the right questions.

Die partizipative Text-Raum-Intervention wird an unterschiedlichen Orten in verschiedenen Umsetzungen und Übersetzungen gezeigt. Als Sprachinstallationen im öffentlichen Raum, eine Performance aus Holzbuchstaben am Eröffnungsabend, als Videoprojektion in den ehemaligen Gärhallen und auf Twitter. Erstere sammeln Reaktionen des Publikums – „Junges Wort“ – in einem den Projekten beigestellten „Postkasten“. Letzteres schafft einen Ort des Diskurses in Online-Foren, um „Junges Wort“ Sprache zu verleihen.

HANS-JÜRGEN POËTZ

Seine künstlerische Tätigkeit konzentriert sich auf die Auseinandersetzung mit den Interaktionen, Reibungen und Zwischenräumen verschiedener Mediengattungen(Sound, Skulptur/Objekt, Licht, Text, Video, Fotografie, Architektur, LandArt und öffentlicher Raum). Die sinnlich erfassbare Kontextualisierung von Raum, Zeit und Ort steht ebenso im Vordergrund wie die Untersuchung von Wahrnehmungsprozessen und technischen Fehlern. Die Arbeiten sind ortsbezogene Rauminstallationen, Skulpturen, Interventionen und Performances. Das Erkunden von und Experimentieren mit architektonischen, virtuellen, sozialen oder politischen Räumen ist grundlegend.

*1977 in Birkfeld (Stmk.), AT
Nach dem Abschluss an der Ortweinschule für Kunst & Design in Graz (Schwerpunkt: Architektur und Malerei) studierte er Medienübergreifende Kunst (Universität für angewandte Kunst Wien, 2006 mit Auszeichnung) bei Bernhard Leitner, einem Pionier der Klangkunst, und Kunstgeschichte (Universität Wien).

Zahlreiche Ausstellungen und Projektbeteiligungen International. Lebt und arbeitet in Wien

www.hansjuergenpoetz.com